In der Schweiz konkurriert rund ein Dutzend Fleischlabel um Aufmerksamkeit. Sie unterscheiden sich stärker, als die Verpackungen vermuten lassen. Entscheidend ist, ob ein Zeichen die Herkunft, die Produktionsmethode oder das Tierwohl garantiert.
Vom Gesetz zum Label
Drei Stufen bestimmen das Anforderungsniveau
Gesetz und Bundesprogramme
Das Schweizer Tierschutzgesetz gilt als eines der strengsten weltweit und bildet die Basis jeder Produktion. Darüber liegen die freiwilligen Bundesprogramme BTS für besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme und RAUS für regelmässigen Auslauf ins Freie. Beide werden über Direktzahlungen abgegolten. 2020 nahmen 78,1 Prozent der Tiere gemessen in Grossvieheinheiten am RAUS-Programm teil, 62,4 Prozent an BTS.
Teilnahme an den Bundesprogrammen
Anteil der Tiere 2020, gemessen in Grossvieheinheiten
Keine Tierwohllabels
QM Schweizer Fleisch ist der Branchenstandard und deckt rund 69 Prozent der Schlachttiere ab. Suisse Garantie belegt allein die Schweizer Herkunft. Beide Zeichen garantieren kein zusätzliches Tierwohl.
Die privaten Labels
Die privaten Labels setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Zeichen, geordnet von der Herkunftsgarantie bis zum strengsten Tierwohlstandard.
QM Schweizer Fleisch
BranchenstandardDeckt rund 69 Prozent der Schlachttiere ab. Kein Tierwohllabel, sondern der Basisstandard der Branche.
qm-schweizerfleisch.ch →Suisse Garantie
HerkunftBelegt allein die Schweizer Herkunft, ohne zusätzliche Anforderungen an Haltung oder Fütterung.
suissegarantie.ch →
IP-Suisse
Tierwohl und BiodiversitätDer Marienkäfer baut auf BTS und RAUS auf und ergänzt Auflagen zur Biodiversität. Ausdrücklich kein Biolabel. Labelprämie zuletzt rund 30 Rappen je Kilogramm Schlachtgewicht.
ipsuisse.ch →Coop Naturafarm
TierwohlWird seit 2021 von IP-Suisse kontrolliert. Labelprämie zuletzt rund 50 Rappen je Kilogramm Schlachtgewicht.
coop.ch/naturafarm →Mutterkuh Schweiz
Tierwohl und HaltungSteht hinter Natura-Beef und SwissPrimBeef. Das Kalb bleibt rund ein halbes Jahr bei der Mutter und geht vom Frühling bis in den Herbst täglich auf die Weide.
mutterkuh.ch →
Bio Suisse Knospe
BioVerlangt biologische Fütterung und die Teilnahme am RAUS-Programm.
bio-suisse.ch →Bio Weide-Beef
Bio und WeideVerbindet den Knospe-Standard mit ganzjährigem Auslauf.
igbioweidebeef.ch →KAGfreiland
Bio und TierwohlSetzt eine Zertifizierung nach Bio Suisse voraus, dazu Gruppenhaltung, höhere Platzvorgaben, täglicher Auslauf, Transporte von höchstens zwei Stunden und ein Verbot des Enthornens. Bei Fleisch und Eiern das strengste Label der Schweiz.
kagfreiland.ch →Geschützte Logos ohne freie Lizenz sind als neutrale Kürzel dargestellt. Logos: IP-Suisse und Bio Suisse Knospe via Wikimedia Commons.
Verbreitetes Missverständnis
Laut einer Befragung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau hält rund ein Drittel der Konsumentinnen und Konsumenten IP-Suisse für ein Biolabel. Der Marienkäfer steht jedoch für Tierwohl und Biodiversität, nicht für biologische Produktion.
Einordnung und Preis
Labelfleisch bleibt eine Minderheit. Rund 31 Prozent der geschlachteten Rinder stammen aus einem Label, bei Masthühnern sind es lediglich 8,6 Prozent. Der Aufpreis beim Produzenten ist dabei überschaubar: Die Labelprämie lag zuletzt bei rund 30 Rappen je Kilogramm Schlachtgewicht bei IP-Suisse und rund 50 Rappen bei Coop Naturafarm.
Labelanteil nach Tierart
Anteil der geschlachteten Tiere aus einem Fleischlabel
Die eigentliche Lücke liegt beim Einkauf. In der Schweineproduktion werden rund 70 Prozent der Tiere nach erhöhten Tierwohlstandards gehalten, verkauft mit entsprechender Mehrwertentschädigung werden aber nur etwa 30 Prozent. Wer Tierwohl verlangt, muss es an der Ladentheke bezahlen. Sonst tragen die Betriebe die Kosten allein.
Quellen: Bundesamt für Landwirtschaft (Programme BTS und RAUS), Proviande, Forschungsinstitut für biologischen Landbau.