Metzgerei rund um die Uhr: Qualität ohne Kompromiss, Zugang mit Spielregeln
Eine Dorfmetzgerei im Baselbiet macht vor, wie traditionelles Handwerk und moderne Selbstbedienung zusammenpassen. Die Metzgerei Zimmermann in Zunzgen hat ihren Laden per QR-Code rund um die Uhr zugänglich gemacht. Wer sich registriert, kauft wann er will, was er will. Ein Modell, das einen echten Kundenwunsch trifft.
Frisches Fleisch vom Vertrauensmetzger, verfügbar auch am Sonntagabend oder nach einem langen Arbeitstag: Was nach einer Selbstverständlichkeit klingt, war in der Schweiz bis vor kurzem kaum möglich. Die Metzgerei Zimmermann an der Hauptstrasse in Zunzgen hat diesen Wunsch in ein konkretes Angebot umgesetzt. Nach 14 Uhr ist kein Verkaufspersonal mehr im Laden. Wer trotzdem einkaufen möchte, scannt einen QR-Code, registriert sich einmalig und betritt den Laden selbstständig. Die Bezahlung erfolgt per Self-Check-Out.
Das ist kein Ausverkauf von Metzgertradition, sondern eine pragmatische Antwort auf reale Probleme. Wie Martin Zimmermann, der Geschäftsführer, gegenüber der bz Basel ausführte: «Man ist flexibler und kann die mangelnde Personallage ausgleichen. Am Mittag haben wir zwar noch eine Bedienung, aber wenn unsere Verkäuferin ganz ausfallen sollte, könnten wir auch mal temporär ganz auf Verkaufspersonal verzichten.» Vor zwei Jahren entstand die Idee, realisiert wurde sie, als gleich vier Mitarbeitende gleichzeitig wegfielen.
Vertrauen durch Registrierung, nicht durch Kontrolle
Was das Modell von einem anonymen Automatenladen unterscheidet, ist der Registrierungszwang. Wer einkauft, ist namentlich bekannt. Der Zugang ist kein freies Kommen und Gehen, sondern ein geregelter Einlass. Das schafft eine Situation, die dem Vertrauensverhältnis zwischen Metzgerei und Stammkundschaft nahekommt.
Zimmermann weiss es selbst: «Fleisch ist Vertrauenssache, die Leute möchten wissen, woher es kommt, wer es verarbeitet hat und wie das Tier gelebt hat.» Genau deshalb funktioniert das Modell nur in Kombination mit dem Qualitätsversprechen, das der Betrieb seit 1945 pflegt. Fleisch von regionalen Bauern, Wurstwaren aus eigener Produktion, keine Kompromisse beim Handwerk.
Dass sich einige Stammkunden an der fehlenden Bedienung stören, ist nachvollziehbar. Doch für alle, die wissen was sie wollen und wann sie es wollen, ist das Angebot eine Befreiung. Der Laden ist geöffnet, wenn Coop und Migros längst geschlossen haben, und das Sortiment stammt aus einer Metzgerei mit eigenem Gesicht und eigener Geschichte.
Ein Modell mit Zukunft im Baselbiet
Die Metzgerei Zimmermann steht mit diesem Ansatz nicht allein. In Füllinsdorf betreibt das Metzgerhuus Stadt und Land, gegründet von fünf Metzgerfamilien und Berufsverbänden, einen ähnlichen 24-Stunden-Betrieb. Der Unterschied: Dort ist der Einlass ohne Registrierung möglich, in Zunzgen nicht. Zimmermann sieht darin einen Vorteil: sein Laden sei geschützter, der Zugang geregelter.
Mit den Erfahrungen aus Zunzgen plant der Familienbetrieb bereits den nächsten Schritt. In Gelterkinden soll ein vergleichbares System eingeführt werden, nach allfälligen Umbauten. Das Konzept überzeugt nicht durch Rabatte oder Marketingversprechen, sondern durch etwas Schlichteres: Es ist rund um die Uhr da, wenn man es braucht, und man weiss genau, woher das Fleisch kommt.