Fleischtheke bei Coop

Aktivisten vor der Bell-Generalversammlung: Mahnwache und ideologischer Appell

Rund 25 Tierrechtsaktivisten der Gruppe Basel Animal Save haben die Generalversammlung der Bell Food Group am 22. April 2026 in Basel für eine Protestaktion genutzt. Aktionäre reagierten gelassen. Die Aktion zeigt exemplarisch, wie tief der Graben zwischen Tierrechtsbewegung und Fleischkonsum in der Gesellschaft verläuft.

Als die Aktionäre der Bell Food Group am Mittwochnachmittag zur ordentlichen Generalversammlung in die Event Halle der Messe Basel strömten, warteten rund 25 Aktivisten der Organisation Basel Animal Save mit Transparenten auf sie. «Hört auf Tiere zu töten», «Fleisch entsteht aus Gewalt» oder «Für deinen Gewinn zahlen Tiere mit ihrem Leben» stand auf den Schildern. Olivier Bieli, ehemaliger Polizist und Kopf der Bewegung in der Region Basel, erläuterte den Anwesenden das Anliegen seiner Gruppe: Man halte seit Jahren monatliche Mahnwachen vor dem Bell-Schlachthof in Basel ab, nun weite man die Aktionen erstmals auf die Generalversammlung aus.

Basel Animal Save ist Teil der internationalen Save Movement, die 2010 in Toronto gegründet wurde und heute weltweit über 800 Gruppen umfasst. Das Netzwerk organisiert Mahnwachen vor Schlachthöfen und tritt für vegane Ernährung ein. Die Gruppe agiert nach eigenen Angaben stets friedlich und im legalen Rahmen. Im Raum Basel ist sie seit Jahren aktiv und tritt regelmässig mit Medienanfragen, Strafanzeigen bei Tierquälereifällen und öffentlichen Aktionen in Erscheinung.

Doch auch wenn die Aktion ruhig verlief, bleibt die Frage offen, wie weit der Griff in die Öffentlichkeit trägt. Bieli selbst räumte ein: «Es ist eine David-gegen-Goliath-Situation.» Die Bell Food Group erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Nettoerlös von 4,9 Milliarden Franken, beschäftigt rund 12’600 Mitarbeitende und ist an 67 Standorten in 13 Ländern tätig.

Mehrheitsaktionärin ist die Coop-Gruppe Genossenschaft mit einem Anteil von 66,67 Prozent. Die Bell Food Group ist an der SIX Swiss Exchange kotiert und zählt zu den führenden europäischen Fleisch- und Convenience-Produzenten. An der Generalversammlung nehmen jährlich rund 1500 Aktionärinnen und Aktionäre teil.

Aktionäre reagieren nüchtern

Die Reaktionen der Aktionäre fielen mehrheitlich nüchtern aus, mindestens so die Aussagen in der Basler Zeitung BaZ. «Ich halte gar nichts von denen, das löst bei mir nichts aus. Ich esse mein Fleisch trotzdem», sagte ein älterer Mann, der anonym bleiben wollte. Brigitte Mercoli meinte, die Mahnwache löse kein Gefühl bei ihr aus: «Wenn man Fleisch isst, weiss man, woher es kommt.» Rolf Nauer fand die Aktion zunächst unnötig, zögerte dann aber, als er die ausgebreiteten Tierfotos auf dem Boden sah: «Ja, es ist schlimm, das kann man nicht schönreden.» Er esse Fleisch, aber bewusst und nur aus der Schweiz.

Zwischen den Reihen hörte man auch Spott. «Ah, da sind die Körnli-Picker», hiess es an einer Stelle. Eine Frau sagte: «Ich bin keine Tierquälerin, aber alle, die hier anstehen, werden als schlimm angesehen, dabei gibt es auch Bio-Fleisch.»

Aktivismus mit pauschalen Zügen

Was bleibt, ist eine Szene, die den gesellschaftlichen Umgang mit Fleischkonsum exemplarisch abbildet. Die Aktivisten nutzten die mediale Sichtbarkeit einer Grossveranstaltung für ihre Botschaft, was ihr gutes Recht ist.

Problematisch ist dabei die inhaltliche Unschärfe. Bielis Aussage, Fleischesser seien für den «puren Horror auf den Schlachthöfen» verantwortlich, ist eine pauschale Schuldzuweisung. Sie unterscheidet weder zwischen Haltungsformen noch zwischen Produktionsstandards, weder zwischen einem Biobetrieb mit strengen Tierschutzauflagen und einem industriellen Massenerzeuger.

Solche Gleichsetzungen mögen emotional wirken, sie sind aber nicht faktenbasiert und tragen nicht zu einer sachlichen Diskussion über Tierschutz bei. Dass Fleischproduktion Tierwohl-Fragen aufwirft, ist unstrittig und verdient ernsthafte Auseinandersetzung. Dass jeder Fleischkonsument automatisch für «Horror» verantwortlich ist, ist eine ideologische Behauptung, keine belegbare Aussage.

Similar Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert