Chez Bichon in Bémont: Vier Jahre später. Noch besser.
In Bémont, mitten in der Vallée de la Brévine, kocht die Familie Huguenin seit über 50 Jahren so, wie man es sich von einem Landrestaurant wünscht: ohne Kompromisse, ohne Convenience, mit Produkten aus unmittelbarer Umgebung. Ein zweiter Besuch bestätigt, was die der erste bereits zeigte.
Butterzart war bereits im Sommer 2021 zu Gast bei Chez Bichon. Damals gab es frische blaue Pfifferlinge auf getoastetem Brot, ein Entrecôte vom Weiderind an Morchelsauce und ein Sorbet mit Apricotine. Das Fazit war knapp und eindeutig: wunderbare traditionelle Landküche. Vier Jahre später, diesmal per E-Bike angereist über die weite Ebene des Neuenburger Juras am Lac des Taillères vorbei, sitzt man wieder im selben Lokal. Das Niveau ist geblieben. Das spricht für die Gastgeber.
Chez Bichon, ein Haus, das seinen Platz kennt
Das Restaurant Chez Bichon steht markant an der Dorfstrasse von Bémont, direkt neben der kleinen Kirche. Die Postauto Haltestelle direkt vor dem Eingang. Das beige verputzte Gebäude trägt den Schriftzug «Restaurant Chez Bichon». Davor eine grosszügige Holzterrasse mit Glasgeländer, die den Blick freigibt über die ganze Brévine-Ebene bis zu den Tannenwäldern am Horizont. Über dem Eingang das Schild «Café de Bémont», was aber von der Küchenleistung weit untertrieben wäre.

Denn das Café de Bémont, wie es offiziell heisst, wird seit 1971 von der Familie Huguenin geführt, inzwischen in der dritten und vierten Generation und ist ein wunderbares Speiselokal. Man lässt das Essen sprechen. Drinnen empfängt einen eine Holzgaststube, die sofort wohltut.

Wandvertäfelung aus hellem Holz, ein Steinboden, der auch den harten Winter im Tal aushält. Tische mit frischen Narzissen, gefaltete Stoffservietten, Osterdekor an den Fenstersimsen. Durch die Fenster schaut man direkt in die Juraweiden. Keine Inszenierung. Eine Atmosphäre, in der man Zeit vergisst.
Die Morcheln: ein Einstieg der besonderen Art
Den Auftakt machen Morcheln auf getoastetem Brot. Bereits beim ersten Besuch 2021 eröffneten Pilze auf Toast das Mahl, damals mit blauen Pfifferlingen. Heute sind es Morcheln.

Der Ansatz ist derselbe: regionale Pilze, handwerklich zubereitet, auf knusprigem Brot. Die Morcheln kommen mit vollem Eigengeschmack, tief und erdig, perfekt gewürzt. Die Sauce zieht ins Brot. Ein Einstieg, der den Gaumen sofort auf die richtige Temperatur bringt.
Dem Hauptgang voran wird ein gut abgestimmter Beilagensalat serviert. Im Preis des Hauptgangs enthalten und sehr schön angerichtet.

Das Carpaccio: Fleisch und lokaler Käse
Als Hauptgang ein Grand Carpaccio vom Rind. Die hauchdünnen Scheiben liegen gleichmässig auf dem Teller, darüber Späne von gereiftem Gruyère, dessen Milch keine zwei Kilometer vom Restaurant entfernt verarbeitet wurde.

Dazu Cornichons, Kapern, ein Stiefmütterchen als Farbtupfer, frische Pommes frites und serviert mit knusprig getoatetem Brot. Das Fleisch ist von ausgezeichneter Qualität, zart, sauber gewürzt. Ein Hauptgang, der zeigt, dass gutes Fleisch keine Hitze braucht, wenn die Ausgangslage stimmt.
Dazu eine Flasche Neuenburger Pinot Noir aus dem gleichen Kanton. Ein regionaler Wein, der zum Essen passt wie die Landschaft zum Restaurant.
Dessert: Sorbet mit Trauben und Schnaps
Den Abschluss bildet ein Sorbet mit Trauben, verfeinert mit einem Schnaps zum Übergiessen. Im kristallenen Coupebecher serviert, wunderschön dekoriert, mit dem kleinen schwarzen Schild «Chez Bichon» obenauf. Auch hier eine Parallele zum ersten Besuch: damals ein Sorbet Apricotine, heute Trauben mit Schnaps. Fruchtig, leicht, mit einem angenehmen Abgang. Genau das, was ein Dessert nach einem wunderbaren Essen sein soll.

Region mit Absinthe Bichonnée im Glas
An der Bar stehen Flaschen mit «Absinthe Bichonnée» von Jean-Philippe Huguenin aus Bémont, zum Mitnehmen. Die Absinth-Tradition hat in der Vallée de la Brévine tiefe historische Wurzeln. Hier ist sie lebendig geblieben.

Preis und Leistung im Chez Bichon
Wer bei Chez Bichon tafelt, tut das ausgezeichnet. Und die Preise stimmen. Für ein wunderbares Nachtessen dieser Qualität, mit regionalen Produkten, hausgemachter Küche und einer Flasche Neuenburger Pinot Noir, bezahlt man einen fairen Betrag. In einem Stadtrestaurant der gleichen Klasse käme man günstiger davon.
Chez Bichon ist ein Tipp für Leute, die eine top solide traditionelle Küche suchen. Es ist ein Ort für alle, die wissen, dass gutes Essen Herkunft, Handwerk und Haltung braucht. Und eine Anfahrt, die sich lohnt. Vier Jahre nach dem ersten Besuch gilt das mehr denn je.

Chez Bichon wurde bereits im August 2021 auf Butterzart vorgestellt. Der damalige Beitrag ist hier zu finden.
Chez Bichon, Bémont 330, 2406 Le Brouillet NE. Donnerstag bis Samstag ab 8.30 Uhr, Sonntag bis 17 Uhr. Reservation empfohlen: 032 935 12 58. restaurant-chez-bichon-brevine.ch