Beispielbild Geflügelschlachtung

Micarna erhält Baubewilligung für neuen Geflügelschlachthof in Saint-Aubin

Das Oberamt des Broyebezirks hat der Migros-Tochter Micarna Ende März 2026 grünes Licht für den Neubau des Geflügelschlachthofs in Saint-Aubin FR erteilt. Alle 1817 Einsprachen wurden abgewiesen. Greenpeace und lokale Vereine prüfen Beschwerde, der Entscheid könnte sich noch verzögern.

Der neue Schlachthof soll den bestehenden Standort in Courtepin ersetzen, der das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat. Micarna investiert rund 400 Millionen Franken in den Neubau auf dem Agrico-Areal, einem ehemaligen Forschungsgelände des Chemiekonzerns Geigy, das der Kanton Freiburg 2017 erworben hat. Geplant sind vier Produktionslinien auf einer 95’000 Quadratmeter grossen Parzelle. Wie Thomas Garcke, CEO der Micarna-Gruppe, gegenüber der BauernZeitung ausführte: «Die Erteilung der Baubewilligung für das neue ATV in Saint-Aubin stellt einen wichtigen Schritt für die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Tätigkeit in der Region dar. Dank dieses Neubaus kann Micarna das Land weiterhin mit Schweizer Poulet versorgen und zugleich dazu beitragen, den Fleischkonsum nachhaltiger zu gestalten, indem wir das Tierwohl verbessern, den Ressourceneinsatz optimieren und die Importe eindämmen.»

Grosse Investitionen, viele Arbeitsplätze

Zusammen mit den übrigen Agrico-Campus-Projekten belaufen sich die öffentlichen und privaten Investitionen auf insgesamt rund 500 Millionen Franken. Die Zahl der Arbeitsplätze soll sich von derzeit 150 auf über 700 im Jahr 2029 erhöhen, langfristiges Ziel sind 1600 Stellen. Auch die Freiburger Kantonsregierung begrüsste den Entscheid. Wie Staatsrat Olivier Curty, Direktor für Wirtschaft, Arbeit und Berufsbildung, gegenüber mehreren Medien erklärte: «Der Campus Agrico ist ein Projekt von aussergewöhnlichem Umfang, das in der Schweiz seinesgleichen sucht.»

Für die Schweizer Landwirtschaft steht mehr auf dem Spiel als ein Baurechtsstreit. Rund 500 Schweizer Pouletproduzenten liefern heute in den Micarna-Kanal, allein 175 Betriebe im Kanton Freiburg. Fällt diese Schlachtkapazität weg, bleibt nach Einschätzung von Micarna nur der Import, der weder die Schweizer Tierschutz- noch die Umweltstandards erfüllt. 2025 stammten 61,9 Prozent der Poulets aus der Schweiz, zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Ohne Schlachthof in Saint-Aubin wird der Inlandanteil weiter sinken.

Greenpeace und lokale Vereine fechten weiter an

Der Entscheid ist gefallen, das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Greenpeace Schweiz prüft laut eigener Medienmitteilung vom 1. April 2026 eine Beschwerde. Nico Frommherz, Konsumexperte bei Greenpeace, kritisiert, dass fast vier Fünftel der Futtermittel für Masthühner aus dem Ausland stammten. Die Organisation fordert vom Detailhandel, bis 2035 mindestens 60 Prozent pflanzliche Proteine zu verkaufen. Diese Forderung hat mit dem konkreten Bauprojekt wenig zu tun und liegt ausserhalb des Einspracheverfahrens. Dass Greenpeace sie in diesem Kontext platziert, ist eine politische Positionierung, keine baurechtlich relevante Einwendung.

Auch der Verein EcoTransition – La Broye bereitet mit einem Anwalt eine kollektive Beschwerde vor und will den Entscheid notfalls bis vor Bundesgericht ziehen. Die Sorgen der Anwohner betreffen Wasserverbrauch, Lärm und die Nähe zu einem Naturschutzgebiet. Micarna hält dem entgegen, dass der Wasserverbrauch pro Poulet im Neubau gegenüber Courtepin um rund ein Drittel sinken soll, von etwa 16 auf unter 10 Liter. Wasser werde mehrfach genutzt, für die technische Kühlung komme Regenwasser und aufbereitetes Wasser aus der Kläranlage zum Einsatz.

Die Baubewilligung ist erteilt. Ob der Spatenstich tatsächlich erfolgen kann, entscheidet sich in den nächsten Wochen, wenn die Beschwerdefristen ablaufen.

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