Neuer Schlachthof in Freiburg sorgt für Streit
Die Baubewilligung für den neuen Geflügelschlachthof der Micarna AG im Kanton Freiburg ist erteilt. Das Projekt ist Teil des AgriCo Campus und umfasst Investitionen von rund einer halben Milliarde Franken. Während Politik und Wirtschaft von einem Zukunftsprojekt sprechen, formiert sich Widerstand aus Umweltkreisen. Der Fall zeigt exemplarisch, dass sich Konsumenten Tierwohl nach Schweizer Standards wünschen, bei der konkreten Umsetzung aber dann Kritik üben.
Der geplante Standort in St. Aubin soll den veralteten Schlachthof in Courtepin ersetzen. Gemäss einem Bericht von Schweizer Bauer ist vorgesehen, dass künftig über 30 Millionen Hühner pro Jahr verarbeitet werden. Gleichzeitig argumentiert die Migros Tochter Micarana, dass damit die steigende Nachfrage nach Schweizer Pouletfleisch gedeckt und Importabhängigkeiten reduziert werden können.
Auch Swissinfo berichtet, dass das Projekt politisch breit abgestützt ist. Der Kanton Freiburg sieht im AgriCo Campus ein strategisches Zentrum für Lebensmittelproduktion und Forschung. Bis 2029 sollen über 700 Arbeitsplätze entstehen, langfristig sind bis zu 1600 Stellen geplant. Die Behörden betonen, dass Umweltaspekte und Kreislaufwirtschaft in die Planung eingeflossen seien. Alles in Butter, könnte man deshalb meinen.
Kritik an Dimension und Ausrichtung
Gegenwind kommt insbesondere von Greenpeace Schweiz. Die Organisation spricht von einem überdimensionierten Projekt und stellt die grundsätzliche Ausrichtung in Frage. Gemäss Swissinfo und Schweizer Bauer wurden über 1800 Einsprachen abgewiesen. Greenpeace prüft nun rechtliche Schritte gegen die Baubewilligung.
Kritiker argumentieren, dass ein Schlachthof dieser Grössenordnung nicht mit den Zielen von Klima und Biodiversität vereinbar sei. Zudem wird hinterfragt, ob der Standort nicht besser für alternative Lebensmittelproduktion genutzt werden sollte, etwa für pflanzliche Proteine. Nur ist diese Argumentation mehr als fadenscheinig, denn Pouletfleisch verzeichnet eine enorme Nachfrage und Pouletfleisch ist vom Schweizer Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Daher ist es naheligend und sinnvoll, diese Nachfrage über die inländische Produktion abzudecken.
Gestiegene Nachfrage sorgt für Mehrbedarf
Parallel dazu verändert sich das Ernährungsverhalten. Der Wunsch nach einer proteinreicheren Ernährung nimmt zu. Pouletfleisch gilt dabei als gut verfügbare und breit akzeptierte Proteinquelle, die sich einfach in den Alltag integrieren lässt.
Diese Entwicklung erklärt, weshalb die Nachfrage nach Geflügel in der Schweiz seit Jahren steigt. Der geplante Schlachthof ist somit nicht Auslöser dieser Entwicklung, sondern eine Reaktion darauf.
Tierwohl zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Ein weiterer Spannungsbogen zeigt sich beim Thema Tierwohl. In der öffentlichen Diskussion besteht ein breiter Konsens, dass hohe Standards eingehalten werden sollen. Gleichzeitig möchte kaum jemand einen Schlachthof in der eigenen Region.
Dieser Widerspruch ist zentral. Wenn die Verarbeitung ins Ausland verlagert wird, entzieht sich ein Teil der Produktion der direkten Kontrolle. Ein Betrieb in der Schweiz unterliegt hingegen klar definierten gesetzlichen Rahmenbedingungen und Kontrollen. Damit lässt sich das Tierwohl zumindest innerhalb des Systems besser sicherstellen als bei Importen mit teilweise unklaren Bedingungen.
Schweiz konsumiert mehr Pouletfleisch
Die Kritik von Greenpeace Schweiz fokussiert stark auf eine grundsätzliche Ablehnung von Fleischproduktion. Gleichzeitig bleibt die bestehende Nachfrage nach Fleisch weitgehend unbestritten.
Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob Fleisch konsumiert wird, sondern unter welchen Bedingungen. Wird die Produktion im Inland verhindert, steigt die Abhängigkeit von Importen. Diese stammen häufig aus Systemen, deren Produktions und Schlachtbedingungen für Konsumentinnen und Konsumenten weniger transparent sind.
Vor diesem Hintergrund wirkt ein Teil der Kritik verkürzt. Die Diskussion sollte sich stärker darauf konzentrieren, wie Produktion gestaltet wird, anstatt sie grundsätzlich zu verlagern. Die Nachfrage nach Pouletfleisch ist real und steigt seit Jahren. Solange diese Nachfrage besteht, wird sie entweder im Inland gedeckt oder durch Importe.
Eine Bevormundung der Konsumentinnen und Konsumenten führt in dieser Diskussion nicht weiter. Entscheidend ist Transparenz. Wer Fleisch konsumiert, soll wissen, woher es kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wird. Die Entscheidung selbst liegt beim Markt und nicht bei politischen oder aktivistischen Vorgaben.
Der Fall Micarna zeigt exemplarisch, wie komplex die Ernährungspolitik geworden ist. Wirtschaftliche Interessen, ökologische Anliegen und gesellschaftliche Erwartungen prallen direkt aufeinander. Gemäss Schweizer Bauer und Swissinfo ist die Baubewilligung zwar erteilt, der Konflikt jedoch längst nicht beendet. Ob es zu juristischen Verfahren kommt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Die Freiburger Kantonsregierung begrüsste am Mittwoch die erteilte Baubewilligung. «Der Campus Agrico ist ein Projekt von aussergewöhnlichem Umfang, das in der Schweiz seinesgleichen sucht», erklärte Staatsrat Olivier Curty, Direktor für Wirtschaft, Arbeit und Berufsbildung.