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Politik

Sparpaket des Bundes sorgt für Kritik in der Fleischbranche

Die Fleischbranche wirft dem Bundesrat im Zusammenhang mit dem Entlastungsprogramm 27 eine doppelte Doppelmoral vor. Während der Fleischkonsum politisch gebremst werde, wolle der Bund gleichzeitig höhere Einnahmen aus der Branche erzielen. Die Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Wie die Aargauer Zeitung berichtet, steht damit ein Wirtschaftszweig mit rund 10 Milliarden Franken Jahresumsatz erneut im Zentrum einer politischen Grundsatzdebatte.

Der Fleischkonsum ist in der Schweiz zunehmend politisiert. Gemäss der aktuellen Ernährungspyramide des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen werden pflanzliche Proteinquellen, Vollkornprodukte sowie saisonale Früchte und Gemüse stärker gewichtet. Fleisch wird zurückgestuft, empfohlen wird ein Konsum von maximal drei Portionen pro Woche.

Agrarpolitik und Umweltauflagen erhöhen den Druck

Zusätzlich sorgt die Agrarpolitik 2030 plus des Bundesamts für Landwirtschaft für Diskussionen. Sie setzt verstärkt auf Ackerbauprogramme zur Förderung pflanzlicher Produktion. In Berg und Voralpenregionen bleibt die Tierhaltung jedoch häufig die wichtigste Form der Wertschöpfung.

Auch neue Vorgaben des Bundesamts für Umwelt beschäftigen die Branche. Verschärfte Emissionsanforderungen bei Stallneubauten und Umbauten erhöhen die Komplexität von Investitionen. Vertreter der Fleischwirtschaft sehen darin teils Widersprüche zur Forderung nach naturnaher Tierhaltung.

Streit um Einnahmen und Sparmassnahmen

Im Zentrum der aktuellen Kritik steht das Entlastungsprogramm 27 des Bundesrates. Vorgesehen sind Kürzungen bei der Qualitäts und Absatzförderung sowie bei Beihilfen der Viehwirtschaft. Gleichzeitig sollen zusätzliche Einnahmen generiert werden, etwa durch höhere Erlöse bei der Versteigerung von Zollkontingenten oder durch Anpassungen bei Entsorgungsbeiträgen.

Ruedi Hadorn vom Schweizer Fleisch Fachverband spricht laut Aargauer Zeitung von einer doppelten Doppelmoral. Einerseits wolle der Bund Ausgaben senken, andererseits plane er bei der Fleischbranche Mehreinnahmen. Zudem werde der Fleischkonsum politisch reduziert, während steigende Einnahmen aus der Branche in Kauf genommen würden.

Konkret geht es um zusätzliche 137 Millionen Franken, die ursprünglich vorgesehen waren. Der Ständerat hat diesen Betrag weitgehend gestrichen und lediglich rund 2 Millionen Franken bei der Absatzförderung belassen. Die Finanzkommission des Nationalrates schlägt ein reduziertes Paket von rund 50 Millionen Franken vor. Gleichzeitig wurde eine generelle Erhöhung der Agrarzölle um 175 Millionen Franken ins Spiel gebracht, wovon ein Viertel auf Futtermittel entfallen würde.

Verschiebungen beim Fleischkonsum

Die Branche verweist zudem auf Veränderungen im Konsumverhalten. Besonders Geflügelfleisch verzeichnet steigende Nachfrage. In den vergangenen zwei Jahren sind die Erlöse aus der Versteigerung von Importkontingenten für Geflügel deutlich gestiegen. Gleichzeitig nahmen die Importe seit 2023 um rund 15’000 Tonnen pro Jahr zu, da die inländischen Produktionskapazitäten mit dem Wachstum nicht Schritt halten konnten.

Mit einem Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Franken trägt die Fleischwirtschaft etwa 1,5 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Entsprechend sensibel reagiert die Branche auf politische Weichenstellungen.

Bundesrat weist Vorwürfe zurück

Die zuständigen Departemente bestreiten eine politische Agenda gegen den Fleischkonsum. Aus dem Finanzdepartement wird auf die Notwendigkeit einer ausgewogenen Mischung aus Ausgabenkürzungen und Mehreinnahmen verwiesen. Das Innendepartement betont, es gebe keine politische Zielsetzung zur Reduktion des Fleischkonsums. Auch das Bundesamt für Landwirtschaft hält fest, die Fleischproduktion werde im Grasland Schweiz weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

Die parlamentarischen Beratungen sind noch nicht abgeschlossen. Damit bleibt offen, wie stark die Fleischbranche letztlich von den Spar und Einnahmemassnahmen betroffen sein wird.

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