Wer in der Schweiz über Rindfleisch spricht, landet früher oder später bei Fragen der Herkunft, der Aufzucht und der regionalen Wertschöpfung. Ein besonderes Modell existiert dabei im Kanton Solothurn. Dort erhalten Talbetriebe seit vielen Jahren einen finanziellen Zuschuss von 300 Franken vom Kanton, wenn sie trächtige Rinder aus der Solothurner Bergzone zukaufen. Diese Fördermassnahme ist schweizweit einzigartig.
Förderung mit klaren Bedingungen
Das Prinzip ist einfach. Kauft ein Talbauer ein trächtiges Rind aus der Solothurner Bergzone, kann er beim Kanton einen Remontierungsbeitrag beantragen. Voraussetzung ist, dass das Tier mindestens 16 Monate ununterbrochen in der Solothurner Bergzone gehalten wurde, so die Ausführungen vom Amt für Landwirtschaft in der Zeitung Schweizer Bauer. Zusätzlich gelten weitere Anforderungen. Kühe dürfen höchstens zwei Monate abgekalbt haben, und die Herkunft der Tiere muss klar dokumentiert sein. Ziel ist es, eine echte Zusammenarbeit zwischen Berg und Tal innerhalb des Kantons sicherzustellen.
Ein historisch gewachsenes Modell
Die Ursprünge dieser Förderung reichen bis in die Zeit der Milchkontingentierung zurück. Damals existierten verschiedene Instrumente, um den Austausch zwischen Berg und Tal zu fördern. Mit der Aufhebung der Kontingente entfielen viele dieser Mechanismen. Der Kanton Solothurn entschied sich jedoch bewusst dafür, einen Teil der Unterstützung in neuer Form weiterzuführen. Laut dem Amt für Landwirtschaft sollte damit eine standortgerechte Bewirtschaftung im Juragebiet gesichert und die Berglandwirtschaft gestärkt werden.
Stabile Beiträge über viele Jahre
Im Jahr 2024 wurden laut Kanton insgesamt 82’500 Franken für diese Fördermassnahme ausbezahlt. Dies entsprach rund 275 Tieren. Die eingesetzten Mittel seien seit Jahren bemerkenswert stabil und bewegten sich in einer Bandbreite von etwa 70’000 bis 100’000 Franken pro Jahr. Diese Kontinuität deute darauf hin, dass es sich nicht um eine kurzfristige Stützung bei Preisschwankungen handle, sondern um eine langfristig angelegte Partnerschaft zwischen Berg und Talbetrieben.
Bedeutung für Tierhaltung und Fleischqualität
Für die Fleischproduktion ist dieses Modell aus mehreren Gründen interessant. Tiere aus der Bergzone wachsen häufig unter anderen Bedingungen auf als jene im Tal. Robustheit, Anpassungsfähigkeit und ein langsameres Wachstum können sich später auch auf Fleischstruktur und Geschmack auswirken. Gleichzeitig profitieren Bergbetriebe von einer gesicherten Absatzmöglichkeit für ihre Tiere, während Talbetriebe Zugang zu hochwertigem Zuchtvieh erhalten.
Regelmässige Überprüfung vorgesehen
Die Fördermassnahme wird gemäss Amt für Landwirtschaft des Kantons Solothurn nicht automatisch fortgeschrieben. Sie soll regelmässig überprüft werden und ist aktuell im Rahmen der Agrarpolitik bis 2030 eingeplant. Bisher wurde sie jedoch nie ernsthaft infrage gestellt. Aus Sicht des Kantons spielt die überbetriebliche Zusammenarbeit in der Rindviehhaltung weiterhin eine wichtige Rolle, insbesondere für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Juraregion.
Ein Solothurner Sonderfall mit Signalwirkung
Auch wenn dieses Modell bisher einzigartig geblieben ist, zeigt es exemplarisch, wie Agrarpolitik gezielt regionale Kreisläufe stärken kann. Für Konsumentinnen und Konsumenten, die sich für Herkunft, Tierwohl und regionale Fleischproduktion interessieren, lohnt sich ein genauer Blick auf solche Förderinstrumente.




