Weidevieh auf Bünder Alp

Ist täglicher Fleischkonsum gesund?

Der tägliche Konsum von Fleisch wird zunehmend als ungesund angesehen, doch die wissenschaftliche Basis für diese Behauptung bleibt umstritten. So das Fazit der Neuen Zürcher Zeitung NZZ in ihrer Kolumne «Wohl & Sein».

Laut der Schweizerischen Gesundheitsbefragung essen etwa 31 Prozent der erwachsenen Männer und 19 Prozent der Frauen täglich Fleisch. Die nationale Ernährungserhebung „menuCH“ zeigt, dass der durchschnittliche Fleischkonsum bei rund 110 Gramm pro Tag liegt – bei Männern und jüngeren Menschen sogar noch höher. Nur etwa 5 Prozent der Befragten verzichten komplett auf Fleisch. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Fleischkonsum weit über den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung liegt, die maximal 360 Gramm pro Woche empfiehlt.

Wie schädlich ist Fleischkonsum?

Wissenschaftliche Studien legen nahe, so die Ausführungen in der NZZ, dass rotes Fleisch – insbesondere verarbeitetes Fleisch wie geräucherte oder gepökelte Produkte – mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen verbunden sein können. Die Eidgenössische Ernährungskommission verweist in ihrem Bericht von 2014 auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs, Typ-2-Diabetes und eine höhere Sterblichkeit. Auch die Weltgesundheitsorganisation stuft verarbeitetes Fleisch als krebserregend und unverarbeitetes rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein.

Wissenschaftliche Evidenz nicht eindeutig

Trotz dieser Warnungen ist die wissenschaftliche Evidenz nicht eindeutig. David Fäh, Gesundheitswissenschaftler und Ernährungsexperte an der Berner Fachhochschule, betont, dass die Studien zu Fleischkonsum und Gesundheit oft Schwächen aufweisen. Zwar bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und einer leicht erhöhten Sterblichkeit, doch ob der Fleischkonsum tatsächlich die Ursache sei, sei nicht bewiesen.

Grillfleisch als sehr beliebte Zubereitungsart in Schweizer Haushaltungen

Die Rolle von Lebensstil und anderen Faktoren

Viele Studien können den Einfluss anderer Faktoren, wie Rauchen oder Bewegungsmangel, kaum kontrollieren. Beispielsweise zeigt die „menuCH“-Studie, dass Raucher tendenziell mehr Fleisch essen. Fehlende Bewegung, so Fäh, sei zudem gesundheitsschädlicher als Fleischkonsum. Der Zusammenhang zwischen Fleisch und Gesundheit lässt sich nur schwer nachweisen, da langfristige Studien in diesem Bereich aufwendig und fehleranfällig sind.

Ein Versuch, andere Faktoren zu berücksichtigen, wurde in einer Studie mit einer religiösen Gemeinschaft in den USA unternommen. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft unterschieden sich vor allem im Fleischkonsum, was interessante Ergebnisse lieferte: Diejenigen, die wenig Fleisch assen, hatten geringeres Körperfett, niedrigeren Blutdruck und bessere Diabeteswerte, lebten jedoch insgesamt nur minimal länger.

Fleisch ist nicht gleich Fleisch

Fäh weist darauf hin, dass nicht jedes Fleisch gleich ist. Auch die Haltungsbedingungen und die Zubereitung spielen eine Rolle. In den USA, wo viele Studien durchgeführt werden, ist die Barbecue-Kultur weit verbreitet, bei der Fleisch oft stark erhitzt wird. Dabei entstehen krebserregende Stoffe.

Fazit zum Fleischkonsum

Täglicher Fleischkonsum ist nicht notwendig, um gesund zu bleiben. Zwar liefert Fleisch wichtige Nährstoffe wie Eisen, Vitamin B12 und Eiweiss, doch die genauen gesundheitlichen Auswirkungen sind schwer zu bestimmen und umstritten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Fleischkonsum reduzieren und durch andere Proteinquellen wie Milchprodukte, Eier oder Hülsenfrüchte ergänzen. Die wissenschaftliche Evidenz bleibt nicht eindeutig.

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